Insolvenz des Druckmaschinen-Herstellers Manroland

manroland insolvenzDer weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller Manroland hat Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht in Augsburg gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter mit der Aufgabe, das Unternehmen zusammen mit dem Vorstand bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens (voraussichtlich am 1. Februar 2012 wenn nämlich der Insolvenzgeldzeitraum ausgeschöpft worden ist) fortzuführen und hierzu einen Massekredit zu erhalten, ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Werner Schneider bestellt worden. Vom Unternehmen angestrebt ist ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

Nur einen Monat vor Weihnachten sind die rund 6.600 Beschäftigten der Manroland AG um ihre Arbeitsplätze besorgt – zumindest nach Ablauf der Insolvenzgeldzahlung durch die Bundesagentur für Arbeit nach drei Monaten.
Es drohen weiterhin erhebliche Einschnitte in dieser Branche, die zwar immer noch in großen Teilen in der Hand traditionsreicher deutscher Maschinenbauer ist – es hat sich jedoch ein enormer Preiskampf mit der Konkurrenz aus Fernost entwickelt.

Bei Manroland handelt es sich neben Koenig & Bauer und Heidelberger Druck um einen führenden Hersteller mit Wurzeln zurück in frühe 19. Jahrhundert.
Als Auslöser für den Schritt in die Insolvenz wird aus Branchenkreisen der anhaltende dramatische Auftragsrückgang gesehen, wobei Marktinteresse an den Drucksystemen nicht fehlt: Die Kunden – die Druckereien und Verlage – sehen sich jedoch selbst mit Finanz- und Finanzierungsproblemen konfrontiert; ein klassischer Dominoeffekt der seinen Ursprung natürlich im „digitalem Wandel“ und dem einhergehenden Rückgang der „Presse“ im klassischen Sinne und der Druckerzeugnisse insgesamt hat.

Seit längerem haben die Anteilseigner, der Allianz-Investor Allianz Capital Partners (ACP mit 75% Anteilen) und MAN (mit 25% Anteilen) erfolglos nach einem Käufer für das kriselnde Unternehmen gesucht.
Verständlicherweise sind frische Investoren nicht bereit, Altlasten in Form von Verbindlichkeiten zu übernehmen nutzen in vielen Fällen ein Insolvenzverfahren für einen fresh start; es ist zu erwarten, dass Interessenten die Eröffnung des Insolvenzverfahrens abwarten, um dann – voraussichtlich eine verschlankte – Fortführungslösung über einen Insolvenzplan oder über einen Asset-Deal zu finden. Ein später und teurer Weg: denn die Vergütung des späteren Verwalters und vorläufigen Verwalters richtet sich nach der (hier erwartungsgemäß hohen) Insolvenzmasse. Die Insolvenz vernichtet Werte und damit das Invest der Alianzgruppe sowie MAN und verschlechtert die Aussichten der betroffenen Geschäftspartner und Gläubiger, noch eine wesentliche Quote zu erhalten.
Hinzu kommt, dass die Insolvenz an der Reputation von Manroland kratzt: Von immenser Bedeutung für die Kunden der teuren Druckmaschinen ist die Verlässlichkeit der Ersatzteillieferung und Wartungsmöglichkeit dieser hochwertigen, komplizierten Maschinen.

Profiteur des Insolvenzverfahrens wird neben dem Verwalter derjenige sein, der die ausgereifte Drucktechnologie und die Marke kauft – ob dies jedoch den kriselnden deutschen Konkurrenten gelingen wird, ist fraglich. Es ist mit Interesse aus Fernost zu rechnen, weil die deutsche Marke interessant sein dürfte. Ich halte es ansonsten jedoch auch für wahrscheinlich, dass Manroland letztlich in den noch bestehenden zwei deutschen Druckmaschinen-Herstellern aufgehen wird.

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Unser auf Wirtschaftsrecht & Insolvenzrecht spezialisierter Rechtsanwalt Oliver Gothe berät Sie gerne.





Rechtsanwalt Oliver Gothe

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