Insolvenz „Frankfurter Rundschau“

Frankfurter Rundschau: InsolvenzDer Verlag der „Frankfurt Rundschau“ hat Insolvenz angemeldet. Der Schritt des Geschäftsführers Karlheinz Kroke ist offenbar zur Vermeidung einer persönlichen Haftung wegen Insolvenzverschleppung erfolgt – nach Berichten von Kress Der Mediendienst (www.kress.de: „Kroke prescht voran: Warum die „FR“ in die Insolvenz geht“) wollten die beiden Hauptgesellschafter (M. DuMont Schauberg/MDS und die SPD-Medienholding ddvg) auf Wunsch der ddvg eigentlich erst Anfang Dezember die Entscheidung über das Schicksal der „FR“ fällen.

Die „Frankfurter Rundschau“ blickt auf eine lange Geschichte zurück: Sie hat 1945 die zweite Lizenz einer deutschen Tageszeitung nach dem Krieg erhalten.
Die Mitarbeiter – insgesamt sind 487 Menschen betroffen – die über Jahre hinweg mit Einkommensverzicht auf den Erhalt ihrer Zeitung gehofft haben, erhalten für den üblichen Zeitraum von insgesamt drei Monaten Insolvenzgeld – das Schicksal zum hiernach sich anschließenden Stichtag der Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens (Januar 2013) ist unsicher:

Eine Sanierung über einen InsolvenzPlan erscheint nicht zielführend – die langjährigen Defizite sind systemisch bedingt und durch eine Befreiung von „Altlasten“ oder (Lohn-)Kosten iR des Insolvenzverfahrens kaum zu ändern. Die Gesellschafter sind an weiteren Verlusten, an eine Fortführung offenbar nicht interessiert – eine Übernahme im Wege der sog. Übertragenden Sanierung erscheint als die einzig denkbare Option. Aus informierten Kreisen heißt es, dass über ein Genossenschaftsmodell ähnlich wie bei der TAZ nachgedacht wird.

Doch wird nicht nur die Frage des rechtlichen Unterbaus und Übergangs relevant sein, sondern: was ist eigentlich noch da von dem seinerzeit engagierten und kritischen Blatt? Diese Frage stellt sich auf www.nachdenkseiten.de der Publizist und „Abonnent der FR aus biografischer Verbundenheit“ Wolfgang Lieb und liefert auch einige (sehr substanzielle) Antworten. Weiterhin möchte ich auf einen Artikel des ehemaligen FR-Redakteurs und nunmehr FAZ-Redakteurs Peter Körte auf www.faz.net verweisen, der mit dem Denkmodell vom Philosophen David Hume über Identität und Wandel entstehen ansetzt: Ist ein Schiff, an dem über die Jahre nach und nach alle Teile ausgetauscht werden, überhaupt noch dasselbe Schiff?
Gründe für den Schwund der Leserschaft und einhergehend der Anzeigenkunden werden auch außerhalb der Entwicklungen in der digitalen Welt verortet und führen zu einer erfreulich breiten Auseinandersetzung mit dem Thema „Qualitätsjournalismus und Vermarktung im digitalen Zeitalter“.

Der Beschluss des zuständigen Insolvenzgerichts Frankfurt a. M. lautet wie folgt:

810 IN 1078/12 D: In dem Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH, Karl-Gerold-Platz 1, 60594 Frankfurt am Main (AG Frankfurt am Main, HRB 7139), ist am 13.11.2012 um 09.45 Uhr die vorläufige Verwaltung des Vermögens der Schuldnerin angeordnet worden. Verfügungen der Schuldnerin sind nur mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Frank Schmitt, Olof-Palme-Straße 13, 60439 Frankfurt am Main, Tel.: 069/50986-0, Fax: 069/50986110 bestellt worden.
(Amtsgericht Frankfurt am Main, 13.11.2012)

Aufgabe des vorläufigen Insolvenzverwalters Schmitt von der Kanzlei Schultze & Braun ist es nun, im laufenden Insolvenzantragsverfahren ein Gutachten zu erstellen und mögliche Fortführungsaussichten zu erkunden. Bei interessanten Neuigkeiten werde ich hier berichten.

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Rechtsanwalt Oliver Gothe

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2 Kommentare zu “Insolvenz „Frankfurter Rundschau“

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